Monday, November 23, 2009

Halbzeit

Heute Morgen hatte ich einen Vortrag - Global Hunger and the Impact of the Economic Crisis - und konnte auch deshalb, aber wohl mehr bedingt durch den vielen Schwarztee, gestern Abend nicht wirklich gut einschlafen (Insider wissen: Wenn die GNP schon fertig ist und man noch nicht schläft, ist das suboptimal). Jedenfalls ist mir dann so durch den Kopf gegangen, dass nun schon mehr als die Hälfte meiner Zeit hier in Slowenien vorüber ist. Denn Anfang September kam ich ja hier an und so wies jetzt ausschaut werde ich bis Anfang (oder spätestens bis Mitte) Februar zurückgekehrt sein. Das heisst, Zeit für eine Halbzeitbilanz!

Ich muss sagen, für mein Erasmussemster nach Lju zu kommen, war eine sehr gute Entscheidung. Irgendwie ists hier ja auch ähnlich wie in der Schweiz, andererseits ists erfrischend anders. Die Uni ist - abgesehen von einigen Anfangsschwierigkeiten beim Zusammenstellen des Learning Agreements - absolut super! Man trifft allerhand Leute, geht viel aus, von den Food Coupons (siehe früherer Eintrag) bin ich sowieso ein Fan, man kann von hier aus gute Reisen unternehmen (siehe hier und hier) und die Wohnung, die wir nach intensiver Suche gefunden haben, ist auch sehr schön.

Irgendwie bin ich aber auch gespannt darauf, wie ich Schweiz erfahren werde, wenn ich wieder zurück bin. Wie stark anders ist die Mentalität der Leute wirklich? Welche Unterschiede werden mir im Alltag auffallen? Ich weiss es (noch) nicht, denn, ich muss auch sagen, inzwischen hab ich mich hier sehr gut eingelebt. Ein Unterschied, der - obwohl schon fast ein Klischee - mir hier negativ auffällt, ist der Zustand und das Angebot des ÖV im Vergleich zur Schweiz. Das heisst, wenn ich zurück bin, werde ich mir wohl sofort wieder ein GA zulegen und dann etwas in der Landschaft herum fahren mit der guten alten SBB.

Am meisten freue ich mich - und auch das tönt nach Klischee - natürlich aber darauf, alle Kollegen und die ganze Familie wieder zu sehen! Jetzt aber geniesse ich vorerst mal noch gute zwei Monate hier in Slowenien, das übrigens, wie ich im Gespräch erfahren habe, im Gegensatz zur Schweiz noch nicht mit Weihnachtsartikeln und Weihnachtsbeleuchtung und all dem unnötigen Zeug vollgestellt ist. Und gerade vorhin sassen wir wieder mal am Fluss an der Sonne und tranken einen Kava z mlekom (Milchkaffee) - so sollte der November immer sein!

Thursday, November 19, 2009

Small countries celebrate small victories


Gestern hat sich die slowenische Fussball-Nationalelf mit einem hart erkämpften und verdienten 1:0-Sieg gegen Russland für die Weltmeisterschaft in Südafrika qualifiziert! Für uns erfolgsverwöhnte Schweizer (ich meine direkte Qualifikation als Gruppenerster und dann natürlich noch der Weltmeistertitel mit dem U-17-Team) tönt das natürlich nach nichts besonderem. Allerdings geht es in diesem Blogeintrag auch weniger um den Fussball an sich, sondern mehr um das Drumherum!

Das Hinspiel hatten die Russen vor einigen Tagen 2:1 gewonnen. Ich hatte damals ein Teil des Spiels in einer Bar in der Innenstadt mitverfolgt. Zuerst meinte ich ja, dass die Slowenen das rote Team seien und war verwundert wie gut sie spielten. An den Reaktionen merkte ich dann aber mit der Zeit, dass wohl doch eher die Spieler im weissen Trikot die Slowenen sind. Alles in allem haben die Slowenen zwar auch in diesem Spiel gefightet, doch die Niederlage war absehbar.

Beim Rückspiel gestern, dass in Maribor ausgetragen wurde, musste daher für die WM-Quali also mindestens ein 1:0 oder, falls die Russen auch ein Tor erzielen würden, ein 3:1 her (ich hab mir das erklären lassen.. es kommt nicht nur auf die Anzahl Tore draufan sondern auch darauf, wo sie erzielt wurden). Aufgrund dieser doch spannenden Ausgangslage habe ich dem Vorschlag eines Kollegen zugestimmt, sich auch dieses Spiel in der Stadt anzusehen. Wir gingen in einen English Pub der - nicht gerade fantasievoll - den Namen 'English Pub' trug. Drinnen hatte es Bilder von allem an der Wand, dass so in der ersten Sekunde mit England assoziiert wird, also Stonehenge, Sherlock Holmes, einen Manchester United Fanschal usw. Auch dass also nicht sonderlich speziell. Nichtsdestotrotz, die Stimmung war bei unserer Ankunft bereits ausgelassen und die Flachbildfernseher liefen.

Kurz vor der Halbzeitpause viel das 1:0 und zwar durchaus verdient. Die Slowenen spielten viel besser und waren den Russen überlegen. Von da an war die Anspannung natürlich richtig gross und entsprechend brach beim Schlusspfiff in der 94. Minute entsprechender Jubel aus. Als wir nach draussen gingen kamen uns dann schon bald die ersten hupenden und fahnenschwingenden Autokorsos entgegen. Man bekam Getränke angeboten von wildfremden Leuten (ich bin zwar trotzdem immer noch nicht sonderlich ein Fan von Rotwein mit Cola..) und die Freudengesänge wurden von traditioneller (Balkan-)Musik auf Akkordeon und Blasinstrumenten begleitet. Alles in allem ein riesen Volksfest. Ich glaub in der Schweiz würde nicht mal ein Weltmeistertitel (des normalen Teams) so gefeiert. Super krass das ganze.. obiges Video soll einen Eindruck vermitteln :-)

Monday, November 16, 2009

Musikalisches Ljubljana


Wie viele wissen, hab ich mich schon mehrere Male beschwert, dass in Lju keine gute Konzerte stattfinden würden. Gleichzeitig wurden in der letzten Zeit auch Stimmen laut, die mich mahnend darauf hingewiesen haben, dass mein Blog nur mehr selten bis nie ein Update erfährt. Mit diesem Eintrag sollen diese beiden Behauptungen - keine guten Konzerte sowie keine neuen Posts - widerlegt werden!

Gute bis sehr gute Konzerte durfe ich in den letzen Wochen sogar drei miterleben. Das absolute Highlight war natürlich der Auftritt von Marc Ribot (im Volksmund auch 'Kolleg Märcu') mit seiner Band Ceramic Dog und Eszter Balint im Čankarjev Dom hier in Ljubljana. Ein guter Eindruck von diesem Konzert soll dabei obiges Video geben. Dieses wurde nur wenige Tage vor dem Konzert in Lju an einem andern Ort aufgezeichnet. Es handelt sich beim Video zwar um einen Song von Serge Gainsbourg und im Normalfall singt Kollege Märcu ja auch nicht auf Französisch.. die Art wie dieses Lied interpretiert wurde hat mir aber sehr gefallen. Die anderen Songs waren auch sehr eindrücklich, oft mit einer immensen Steigerung der Intensität im Verlauf eines Stücks. Die Band ist sehr gut eingespielt und die Spiel- und Experimentierfreude merkt man den Musikern an. Nach dem souveränen Auftritt gabs noch für das ganze Publikum Gratisbier, da es sich um das letzte Konzert des Ljubljana Jazz Festivals handelte und der Abend zog sich auf sehr amüsante Weise noch weit in die Nacht beziehungsweise fast in den Morgen hinein... (Fotos vom Konzert in Lju kann man übrigens hier und hier begutachten.)

Das zweite Konzert, dass ich vor kurzem besuchte war ein Doppelauftritt der 'Preservation Hall Jazz Band' (Jazz/Dixieland) und der 'Blind Boys of Alabama' (Gospel/Blues). Auch dieser Anlass fand im zentral gelegenen Čankarjev Dom statt (.. das scheint echt 'ne gute Adresse für super Konzerte zu sein!) und ich war von beiden Bands positiv überrascht. Auch wenn ich normalerweise nicht unbedingt viel Gospel oder Dixieland höre, ist es doch durchaus positiv, von Zeit zu Zeit auch seinen musikalischen Horizont zu erweitern!

Letztes Wochenende war ich dann wieder mal im legendären Metalkova - dem alternativen Quartier von Ljubljana wo viele Konzerte, Parties und sonst allerhand Kunstprojekte stattfinden (sei es zum Teil auch nur Überlebenskunst...). Kurz vor dem Eingang zum Metalkova drang ein vielversprechender Garage-Rock Sound in meine Ohren. Wir begaben uns also zum entsprechenden Haus, handelten den Eintritt von acht auf vier Euro herunter (da das Konzert der letzten Band schon begonnen hatte und zuvor schon zwei andere Bands gespielt hatten) und gingen rein. Drinnen trafen wir die Band 'Two Tears' in voller Action an. Die Musik war echt super, erinnerte an die White Stripes bloss etwas rebellischer (und z.T. mit ziemlich minimalistischen Texten). Leider ging das Publikum nicht sonderlich ab - dies tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch und ich hab sogar das Gefühl selbst noch einige 'Einheimische' etwas zum Mit-aus-sich-herausgehen animiert zu haben. Nach dem Auftritt hab ich mich dann auch noch kurz mit dem Drummer unterhalten, der glaub ich wie der Gittarist auch, aus München stammt. Die Sängerin ist so viel mir gesagt wurde von Britannien. Jedenfalls 'ne super Band wo ich allen empfehle mal reinzuhören.

Also, ihr seht, es gibt gute Konzerte in Lju (von jetzt will ich mich mit meiner diesbezüglichen Kritik zurückhalten) und auch zum Einträge schreiben bin ich noch fähig! Merci für Kommentare und Anregungen!