Thursday, October 22, 2009

Entdeckt: čajnicaGallus


Der Herbst ist da; bekanntlich nicht die wärmste Jahreszeit. Man überlegt es sich zwei mal, ob man wirklich seine schützenden vier Wände verlassen soll, welche gegenüber dem grauen Nass, dass man beim Blick aus dem Fenster vorfindet, eine gewisse Geborgenheit bieten.

Wie dadurch aber auch schon angedeutet, ist diese trübe Jahreszeit aber nicht nur negativ, denn sie wertet andere Dinge, wie den warmen Wohnraum, den man den Sommer hindurch nicht bewusst schätzt, entsprechend auf. Zu diesen anderen Dingen gehört auch das Tee trinken. Die mich kennen wissen, ich trinke immer und viel Tee, und ich liebe es! Wenn man sich aber einen Tee gönnt, wenn es draussen wie aus Kübeln giesst, bekommt das Teetrinken nochmals eine andere Qualität. An solchen Nachmittagen habe ich in Bern immer gerne den Länggass-Teeladen aufgesucht. Glücklicherweise bin ich nun auch hier in Lju auf ein sehr sympatisches Teehaus gestossen: Die Čajnica Gallus liegt direkt am Fluss in der Altstadt von Ljubliana. Falls es nicht gerade in Strömen regnet, ist es sehr entspannend draussen gut angezogen zu einer Tasse Tee die Leute, den Fluss und die Natur zu beobachten. Sehr empfehlenswert!

Noch ein Tipp für 'Daheimgebliebene', beziehungsweise für Leute, die sich bis spätestens am 28.02.2010 wieder in der Schweiz befinden (was mich dann auch wieder einschliesst): Wie ich dem Tagi entnommen habe, wird morgen im Landesmuseum in Zürich eine Fotoausstellung unter dem Titel "Aufbruch in die Gegenwart. Die Schweiz in Fotografien 1840-1960" eröffnet. Die Auswahl der Bilder, die man auf der Webseite sieht, ist sehr vielversprechend. Und auch der Artikel im Tagi ist überaus positiv. So ein Ausstellungsbesuch ist selbstsagend auch eine optimale Aktivität in dieser kalt-nassen Jahreszeit. (PS: Ich hoffe, mit diesem Tipp jetzt nicht in direkte Konkurrenz zu anderen 'Bloggern', denen vor kurzem 'Lifestyle-Schreiber'-Qualitäten attestiert wurden, zu treten..)

Tuesday, October 13, 2009

Aufgefallen: 1 Reber


Seit gestern ist's echt kalt hier. Glücklicherweise ist's immer noch meistens sonnig, was mich heute an meinem (noch) freien Dienstag (das ist der Tag, der auf den Party-Montag folgt, das ist hier so) dazu veranlasste, auf eine Fototour in die Stadt zu gehen. Diesmal war ich (zum zweiten mal nach vorgestern) mit der irgendwie schrägen analogen Nikon unterwegs, weshalb man die Bilder noch nicht begutachten kann. Ich kann nur sagen, ich bin ja seeehr gespannt wie die Bilder mit dieser Kamera rauskommen. Ich kann das überhaupt nicht einschätzen.

Jedenfalls hab ich mich auf meiner Tour auch auf den Reberweg begeben, den ich vor kurzem auf der Stadtkarte entdeckt habe. Das ist einer der drei Wege, die von der Altstadt hinauf zum Schloss führen. Und ja, die Gasse heisst wirklich 'Reber'. Also ich finde das ziemlich verwirrend, und fand im Internet bis jetzt keine Erklärung wieso dieser Weg so heisst. Verwirrend ist auch, dass eigentlich alle anderen Strassen in Lju noch die Bezeichnung für Strasse ('cesta' oder 'ulica') im Namen haben. Die Reberstrasse aber heisst einfach Reber. Die Hausnummern gehen entsprechend von 1 Reber über 11 Reber bis zu 15 Reber...

Sehr erstrebenswert wäre es natürlich in den Besitz des Reber-Strassenschildes zu kommen. Es ist grün und etwa 40 auf 15 cm gross. Dieses könnte ich bei meiner zukünftigen Wohnung als übergrosses Namensschild anbringen! Das hätte Stil. Dummerweise wird 'Reber' von recht vielen Leuten frequentiert, und das Schild ist auf über 2m Höhe gut mit 4 Schrauben an der Hauswand befestigt... falls das Schild mal plötzlich ohne meine Einwirkung in meinen Machtbereich gelangen sollte, versteht es sich von selbst, dass darauf eine Belohnung in Form mehrerer Laški ausgesetzt wäre.

Das gute an meinen Erkundungs- und Fototouren durch die Stadt ist übrigens auch, dass ich immer wieder super Geschäfte und schöne Orte entdecke, wo ich meinen Besuch aus der Schweiz werde hinführen können. Heute hab ich zum Beispiel einen tollen Schallplattenladen entdeckt. Und wenn jemand zu viel Geld hat weiss ich jetzt auch, in welcher Strasse man das gegen schöne Mode u.ä. eintauschen kann. Man darf sich freuen...

Saturday, October 10, 2009

Weekend Trip nach Triest und Udine


Es ist jetzt zwar schon eine Woche her, trotzdem soll hier noch kurz die Erinnerung an das letzte Wochenende, an unseren Trip nach Triest und Udine, wachgerufen werden!

Unterwegs waren wir - das heisst ich und mein Mitbewohner - auch dieses mal wieder mit dem guten alten W123. Ich würde zwar gerne mal wieder eine Zugreise unternehmen, doch aus dem Bahnland Schweiz ist man sich schon andere Zustände gewöhnt was das Reisen auf Schienen anbelangt. Ich meine, Triest ist knapp 90km von Lju entfernt, und der Zug braucht dafür fast 3 Stunden.. Mit dem Auto gehts da natürlich schon schneller!

Das tollste an diesem Weekend-Trip war, dass wir einen 'local guide' hatten. Eine Kollegin, die mit mir den Sprachkurs gemacht hatte und in Triest wohnt, wollte uns unbedingt ihre Stadt zeigen, und auch das Problem der 'accomodation' kam gar nicht auf, da wir im früheren Zimmer ihrer älteren Schwester übernachten konnten!

Wir wurden also von ihr, wie es sich gehört natürlich in einem Fiat 500, an der Grenze abgefangen und fuhren dann zu ihrem Haus, welches etwas ausserhalb von Triest liegt (wir befürchteten schon in einen Hinterhalt zu gelangen und bereiteten uns mental darauf vor.. dies war dann aber glücklicherweise nicht der Fall.)

Nach einem guten italienischen Espresso gings los auf die Sightseeing-Tour: Wir wanderten in der nähe des Castello Duino dem Rilke-Pfad entlang (der hat mal kurz dort gelebt), besuchten das aus habsburgischer Zeit stammende (und von Kaiserin Sissi besuchte) Castello Miramare und schauten uns natürlich auch in der Stadt selbst um.

Am Abend dann kam der Vorteil des 'local guide' noch besser zum Vorschein. Denn, wo geht man in den Ausgang in einer fremden Stadt, die zudem nicht allzu gross ist? Auch darüber mussten wir uns keine Gedanken machen, sondern zogen mit meiner Kollegin und ihren Freunden einfach das typische triester Ausgangsprogramm durch! Das heisst, wir brausten zuerst zu viert im Fiat 500 zu lauter 90ies Dance Musik durch die Stadt und gönnten uns ein Appéritiv im Café Walter.

Danach kam der absolute Höhepunkt des Weekends: Zum Nachtessen besuchten wir eine Osmizza. Etymologisch stammt dieser Begriff vom slowenischen Wort für acht, osem, und wird in Italien nur im Fraul (beziehungsweise der Region Friaul-Julisch Venetien - Geschichtsinteressierte sollten auf den Link klicken!), aufgrund der geografischen Nähe zu Slowenien, verwendet. (In Slowenien gibts das Wort auch, bloss mit 'c' anstatt 'zz'). Eine Osmizza ist eine Art Restaurant bei privaten Leuten, welches traditionellerweise nur an acht Tagen im Jahr, und zwar im Herbst, geöffnet hat. Gemäss meinen Nachforschungen war es in früheren Zeiten den Bauern jeweils an diesen acht Tagen nach der Weinlese (und dem Herstellen des feinen Prosciutto) erlaubt, diese Produkte in einer Art Festwirtschaft günstig abzugeben. (Der Brauch der Osmizza schein übrigens mit dem sogenannten 'echten' Heurigen im deutschsprachigen Raum, insbesondere in Österreich, verwandt zu sein.) Es gab also echt guten Rotwein und eine feine Fleischplatte und dazu Brot. Wir sassen draussen an langen Tischen und einige sangen italienische Volkslieder und begleiteten diese auch auf der Gitarre. Die Stimmung war einfach super, so richtig dolce vita.

Weiter ging der Abend, beziehungsweise die Nacht, noch in einem anderen Restaurant, welches ein Oktoberfestzelt aufgestellt hatte... auch entdeckt dort hab ich übrigens den sehr empfehlenswerten Grappa di Vino Terrano. Nach einer langen Nacht, wo ich aufgrund der Fremdsprachenunkenntnis der Italiener in allen mir auch nur minim bekannten Sprachen zu sprechen versucht habe, gingen wir spät zu Bett.

Gegen Mittag des nächsten Tages gings dann weiter nach Udine, der grössten Stadt der Region. Hier haben wir vor allem den sonnigen Tag genossen, und uns dann auf den Rückweg nach Ljubljana gemacht, der uns durch die Ausläufer der Alpen (mit entsprechendem Potential zum sich-verfahren) führte.

Tuesday, October 06, 2009

Aufgefallen: Anstehen...


Bitte schaut euch das Bild genau an (wenn man draufklickt wirds gross in einem neuen Fenster geöffnet). Offensichtlich ist eine ziemlich lange Schlange zu erkennen, die sich ausserhalb des Bildes noch fortsetzt. Das Ziel all dieser Leute ist das Büro der Busgesellschaft von Ljubljana, der LPP. Die LPP ist übrigens auch auf Facebook vertreten, wo sie eine Gemeinschaft von ganzen 0 (in Worten: Null) Fans hinter sich gescharrt hat. Auch zu sehen auf der Facebook-Page sind die Busse, die alten sind übrigens voll lustig zum mitfahren!

Zurück zur Frage, die sich natürlich aufdrängt, wenn man das Foto betrachtet: Wieso stehen all diese Leute vor dem Büro der Busgesellschaft an? Sind die Ljubljaner die absoluten ÖV-Fanatiker? Wurde das Autofahren in Ljubljana verboten? Weder das eine noch das andere trifft zu. Jedoch wurde dieses Bild am 5. (also gestern) aufgenommen. Und jeweils vom 1. bis am 5. des jeweiligen Monats können alle Schüler und Studenten für 17 Euro ihre Busmonatskarte für einen Monat verlängern. Wie ihr euch denken könnt, war das auch mein Plan...

Zuerst konnte ich es kaum fassen, dass die Schlange tatsächlich so lang war. Es schien irgendwie unwirklich, irgendwie lustig und irgendwie sozialistisch... Ich hab mich dann mal zum Ende der Schlange begeben und die Leute dort gefragt wie lange sie denken, dass man etwa anzustehen hat. Sie meinten eine bis zwei Stunden... ich reihte mich ein.

Was macht man während man so lange ansteht? Zuerst, irgendwie klar, mal ne Zigarette rauchen. Danach kam mir in den Sinn, dass ich glücklicherweise mein iPhone dabei hatte - ein echter Lebensretter! Ich hab dann das neue Album von Shantel, Planet Paprika, durchgehört und alle Songs bewertet (!) (das frühere Album war übrigens besser, aber schlecht ist's nicht, und es hat mich amüsiert während dem anstehen). Danach hörte ich mir noch etwa die Hälfte von Superwolf an, einer recht tollen Scheibe von Bonnie 'Prince' Billy mit Matt Sweeney.

So ging die Zeit - am Ende warens ziemlich genau 1.5 Stunden - recht schnell herum. Ich glaube, solche Dinge gehören wie zu einer Art von Aufnahmeritual, die man durchlebt, wenn man sich im Ausland in einer neuen Stadt niederlässt. Das nächste Mal werde ich aber versuchen, am 1. und nicht erst am 5. des Monats meine Busfahrkarte zu erneuern!

Friday, October 02, 2009

Govorim slovensko (mehr oder weniger)


Morgen, beziehungsweise heute, hab ich den ersten Kurs an der Uni, um 8 Uhr früh.. Leider ist ebenfalls morgen der Slowenisch-Test.. ich habe in den letzten ca. vier Stunden versucht, Versämnisse der letzten Wochen was das Lernen angeht wettzumachen. (Hier muss angefügt werden, dass ich zwar jeweils nicht sonderlich viel gelernt habe, aber trotzdem meistens zu den drei Leuten gehörte, die am besten vorbereitet waren.. böse Zungen behaupten, dies läge daran, dass meine Gruppe vor allem aus Italienern und Spaniern bestand).

Danach sollte es ein lustiges Weekend werden. Mein Mitbewohner und ich fahren nach Triest (auf Slowenisch heisst das übrigens 'Trst' - man merke: vier Konsonanten nacheinander!) und besuchen eine Kollegin, die von dort kommt und jetzt auch hier in Lju studiert, jedoch meistens übers Weekend nach Hause fährt. Danach gehts dann mit der Uni nächste Woche so richtig los (und das ist gut so)!