Sunday, August 30, 2009

Tuesday, August 25, 2009

Notizen aus Beirut

23.07.2009
Erste Impressionen (Beirut - Stadt der Gegensätze)

Ein Frachtschiff fährt vorbei auf dem offenen Meer. Man raucht Wasserpfeife, gelb-blaue Sonnenschirme.

Durch den mörderischen Verkehr vorbei am Mahnmal mörderischer Konflikte: "At this place Rafik Hariri was assastinated." Ruine, schwarze zerfallene Fassade.

American University. Junge Menschen, westlich gekleidet. Sonnenbrille im Haar. Eine kurze Verpflegung. Diskussionen. Man spricht Englisch.

Bourj Hammoud. Enge Gassen, Hupen, Smog und Hitze. Die Armenier kamen nach dem Völkermord. Das Provisorium wurde zur Heimat, zumindest fast.


23.07.2009 II
"Ficken, Saufen, Nicht zur Arbeit gehen"

Zwei Fischer sitzen auf einem steinernen Sockel, welcher etwa fünf Meter vom Ufer entfernt aus dem Meer ragt. Der Sockel ist erhöht durch ein eisernes Fass, das aufgrund des Meersalzes schon deutliche Korrosionsspuren aufweist. Am Fass hat jeder der Fischer einen Eimer befestigt, worin die gefangenen Fische ihre letzten Minuten verbringen. "Ficken, Saufen, Nicht zur Arbeit gehen." Das die Aufschrift auf dem T-shirt des einen Fischers. Ob er's versteht? Wohl eher nicht.



23.07.2009 III
"Everybody should believe in something. I believe I'll have another drink."

Hard Rock Café Beirut, eröffnet im April dieses Jahres. Man spricht Englisch, auch hier. Zum Teil wechselt man ab. Englarabisch, Arabenglisch. Raumtemperatur geschätzte 20 Grad Celsius. Etwa die Hälfte der Aussentemperatur. Es laufen Rockvideos.

Bedienung: "Hey, how are you?"
Ich: "I'm fine, thanks. I'll have an Ice Tea please."
B: "Ice Tea Peach, Mango, Lemon?"
I: "Lemo
n please. Do you sell cigarettes?"
B: "Yeah, we have Marlboro red and Marlboro lights."
I: "Marlboro lights please."
- One minute later
B: "Sorry, you said Marlboro red or lights?"
I: "LIGHTS."
- One minute later. Ice Tea is served with A LOT of ice.
B: "Sorry, we don't have any Marlboro lights" smiles... "You take reds?"
I: "Haha... yeah, I take reds."

Die Zigaretten werden gebracht. Made in Switzerland (!) Rauchen ist hier noch nicht tödlich. Zumindest weisst auf dem Päckchen nichts darauf hin. Entsprechend stehen auch drinnen Aschenbecher auf dem Tisch.

Der erste Glimmstengel wird entflammt. Schluck aus dem Ice Tea Glas. Aaahh..


24.07.2009
Hotel Saint George Yacht Club & Marina

Eintritt 20'000 Libanesische Pfund, Pool - mit Salzwasser - und geschätzter Wassertemperatur von nahezu 30 Grad Celsius. Arabisch, Englisch, Französisch, Italienisch. Einsamer Militärposten bei den Jachten. Neue Wolkenkratzer neben alten Kriegsruinen. Beirut im Aufbruch, zumindest hier. Daneben hört's auch schon wieder auf; ein grosses Transparent sagt: "STOP SOLIDÈRE. Doch da im Jachtclub ist Europa, bloss etwas wärmer.


24.07.2009 II
Two DOUBLE espressos in separate cups (and cigarettes)

Man sitzt auf dem Balkon der alten Nachbarin. Diskussionen über die Schweiz.
"Vous prenez un café?" - "Oui, bien sûr!"
Sie verschwindet in der Küche. Nach einigen Minuten dringt der liebliche Kaffeeduft nach draussen und nochmals einige Minuten später kommt ein ganzes Tablett voller doppelter Espressi dahergeflogen. Es sind offensichtlich mehr Tässchen als anwesende Leute.

Die Diskussion weitet sich über mehrere Balkone aus. Schräg darüber und darunter und auf die andere Seite der etwa drei Meter breiten Häuserschlucht. Hier ist es schattig und es weht ein angenehm kühler Wind. Wie es denn sei in der Schweiz, das Leben, wird gefragt. Man weiss nicht viel, nur dass es sehr schön ist, und sicher...

"Kann man wirklich die Sprachgrenze einfach so überqueren? Gibt es keine Grenzposten oder Kontrollen?"
"Ja", antworte ich, "man kann."

Man kann.



Der Take-Off

War das jetzt wirklich nötig? Brauche ich einen Blog? Will ich wirklich einen Blog schreiben? Gibt man nicht sowieso schon viel zu viel von sich preis im Web 2.0?

Naja, vielleicht schon. Und unbedingt brauchen tue ich ihn nicht. Und ob ich tatsächlich regelmässig was schreiben werde wird sich mit der Zeit weisen. Trotzdem gibt es verschiedene Dinge, die dafür sprechen. Ich glaube, wenn ich nicht in einer Woche die Schweiz ostwärts verlassen würde um in Ljubljana mein Erasmus-Semester zu verbringen, würd ichs lassen. So aber kann ich den Daheimgebliebenen (und den sich sonst wo auf der Welt herumtreibenden) mitteilen wies so läuft, kann meine Impressionen schildern und Erlebnisse erzählen. So trägt ein (guter) Blog sicher auch dazu bei, eine gewisse Verbindung mit Freunden aufrechtzuerhalten. Die Anforderung daran wäre damit auch gerade definiert.

Was aber werde ich tatsächlich schreiben (oder posten.. bloggen). Auch das ist im vornherein schwierig abzuschätzen. Deshalb, lasst euch überraschen und schaut ab und zu rein! Und Kommentare sind sehr willkommen.