Saturday, December 26, 2009

Musikalischer Jahresrückblick - Top-Alben im 2009

Wie andernorts schon geschehen, will ich mich nun hier auch der Frage annehmen, welche Musikalben für mich die Perlen des ablaufenden Jahres darstellen. Da mein Hang zur Statistik allgemein bekannt ist, will ich mich hier nicht in lange Überlegungen stürzen, sondern die Zahlen für sich sprechen lassen. Dies mag zwar vielleicht mancherorts verpönt sein, denn wenn man ein Album sehr oft hört, muss dies nicht unbedingt heissen, dass es auch das Lieblingsalbum ist; eventuell passt es nur gut zu irgend einer Aktivität, die man regelmässig ausübt, wie (das soll vorkommen) zum Beispiel Sport treiben. Nichtsdestotrotz - ich habe meine beliebtesten Alben im 2009 statistisch herauseruiert und bin zum Schluss gekommen, dass die Liste mit viel Nachdenken (das wäre die andere Methode) wohl ziemlich gleich aussehen würde.

Wie funktionniert nun diese statistische Methode genau? Vor einiger Zeit habe ich einen Hinweis auf eine Seite erhalten, die einem aufgrund seines Last.fm-Profils die beliebtesten Alben, die im 2009 erschienen sind, anzeigen soll. Ich habe das Prozedere dann durchlaufen lassen und festgestellt, dass dies absolut keinen Sinn ergibt und zwar aus dem Grund, da dort die meisten tollen Alben die ich höre und die im 2009 erschienen sind, wohl nicht vermerkt sind. Allerdings hat mich dieser Hinweis auch erst auf die Idee für diesen Blogeintrag gebracht, und das ist ja auch wiederum gut. Ich habe dann eine andere Methode gewählt und zwar ging die folgendermassen: Ich liess mir im Last.fm meine meistgespielten Alben der letzten 12 Monate anzeigen und habe dann einfach diejenigen aus der Liste gelöscht, die nicht im 2009 erschienen sind. (Dies hat zwar einige Minuten gedauert, so lang gings aber auch wieder nicht). Hier also meine liebsten im 2009 erschienenen Musikalben:

1.
Bonnie 'Prince' Billy - Beware
Ich liebe dieses Album.

2.
Antony and the Johnsons - The Crying Light
Es gibt nichts vergleichbares.

3.
The Felice Brothers - Yonder is the Clock
Diese Band ist meine persönliche Topentdeckung im 2009.

4.
Malcalm Middleton - Waxing Gibbous
Songs voller freudiger Melancholie aus Schottland.

5.
Andrew Bird - Noble Beast
Wohl mein Favorit der ersten Jahreshälfte.

6.
Art Brut - Art Brut vs. Satan
Weil's sinnlos ist und Spass macht. Auch ein guter Kontrapunkt zu meiner sonstigen Lieblingsmusik.

7.
Deer Tick - Born on Flag Day
Ebenfalls eine persönliche Neuentdeckung dieses Jahres. Passt sehr gut in meine momentan sehr ausgeprägte Americana/Alt-Folk/Alt-Country Phase.

8.
Dear Reader - Replace Why With Funny
Stimmungsvolle melodiöse Songs von einer sehr sypathischen jungen Band. Auch live super!

9.
The Mountain Goats - The Life of the World to Come
Obwohl nicht mein Lieblingsalbum dieser Band, die Mountain Goats bleiben die Mountain Goats

10.
Placebo - Battle for the Sun
Solides Album. Kann man immer wieder hören und es wird immer besser.


Das wären sie also, meine Top-Alben aus dem 2009. Ich bin gespannt auf Kommentare!

Thursday, December 24, 2009

Vesel božič - Frohe Weihnachten


Ich glaub ich bin das erste Mal in meinem Leben zu Weihnachten nicht in der Schweiz. Deshalb sende ich nun auf diesem Wege meine Besten Weihnachtswünsche westwärts oder wo auch immer hin! Ich wünsche Euch schöne und hoffentlich eher geruhsame als stressige Tage und auch schon mal einen guten Start ins 2010!

Unsere Wohnung hier in Lju erhielt gestern durch weihnachtliche Bastelaktivitäten einen festlichen Touch und wir haben sogar einen kleinen aber echten Tannenbaum. Des Weiteren ist für heute ein Weihnachtsdinner bei uns angesetzt. Es gibt mit Früchten und Nüssen und weiteren Zutaten gefüllte Hühnchen nach einem traditionellen bolivianischen Rezept und dann etwas litauischisches oder lettländisches zum Dessert.

Ljubljana in der Weihnachtszeit ist übrigens allgemein sehr zu empfehlen. Die Weihnachtsbeleuchtung war sehr gelungen (siehe vorletzter Eintrag) und auch originell - die Beleuchtung in der einen vom zentralen Prešeren Platz wegführenden Strasse stellte den biologischen Zeugungsakt dar; mit DNA und Eizelle und so weiter. Ein Kollege von mir meinte, in seiner Stadt - dem (ziemlich katholischen) München - wäre dies kaum möglich.

Auf dem Weihnachtsmarkt im Zentrum wurden allerhand nützliche und weniger nützliche Produkte angeboten und der Glühwein (kuhano vino) ist hier auch in weiss und nicht nur in rot zu haben. Zudem sorgte Livemusik auf dem Prešeren Platz für gute Unterhaltung und half den Erfrierungen im bis vor wenigen Tagen noch schneebedeckten Ljubljana vorzubeugen. Alles in allem also eine schöne Zeit mit etwas weniger Weihnachts(geschenkekauf)stress als in der Schweiz!

Friday, December 11, 2009

Ich und meine Nikon TW Zoom 85


... haben ein paar Bilder gemacht, die ihr euch unbedingt unbedingt anschauen solltet! Zu finden sind sie wie immer auf Flickr. Analogfotografie kann schon was (damit das auch wieder mal gesagt ist)!

Sunday, December 06, 2009

Der Weihnachtsbeleuchtungs-Countdown


Es weihnachtet nun auch in Ljubljana sehr. Wie ich das genau meine? Schaut euch einfach das Video an. So circa ab der Hälfte wirds spannend. Und falls man zufälligerweise erlernen möchte, wie man auf slowenische von 10 rückwärts zählt, ist das Video auch nützlich. (Hier zum mitlesen: deset, devet, osem, sedem, šest, pet, štiri, tri, dva, ena !!)

Monday, November 23, 2009

Halbzeit

Heute Morgen hatte ich einen Vortrag - Global Hunger and the Impact of the Economic Crisis - und konnte auch deshalb, aber wohl mehr bedingt durch den vielen Schwarztee, gestern Abend nicht wirklich gut einschlafen (Insider wissen: Wenn die GNP schon fertig ist und man noch nicht schläft, ist das suboptimal). Jedenfalls ist mir dann so durch den Kopf gegangen, dass nun schon mehr als die Hälfte meiner Zeit hier in Slowenien vorüber ist. Denn Anfang September kam ich ja hier an und so wies jetzt ausschaut werde ich bis Anfang (oder spätestens bis Mitte) Februar zurückgekehrt sein. Das heisst, Zeit für eine Halbzeitbilanz!

Ich muss sagen, für mein Erasmussemster nach Lju zu kommen, war eine sehr gute Entscheidung. Irgendwie ists hier ja auch ähnlich wie in der Schweiz, andererseits ists erfrischend anders. Die Uni ist - abgesehen von einigen Anfangsschwierigkeiten beim Zusammenstellen des Learning Agreements - absolut super! Man trifft allerhand Leute, geht viel aus, von den Food Coupons (siehe früherer Eintrag) bin ich sowieso ein Fan, man kann von hier aus gute Reisen unternehmen (siehe hier und hier) und die Wohnung, die wir nach intensiver Suche gefunden haben, ist auch sehr schön.

Irgendwie bin ich aber auch gespannt darauf, wie ich Schweiz erfahren werde, wenn ich wieder zurück bin. Wie stark anders ist die Mentalität der Leute wirklich? Welche Unterschiede werden mir im Alltag auffallen? Ich weiss es (noch) nicht, denn, ich muss auch sagen, inzwischen hab ich mich hier sehr gut eingelebt. Ein Unterschied, der - obwohl schon fast ein Klischee - mir hier negativ auffällt, ist der Zustand und das Angebot des ÖV im Vergleich zur Schweiz. Das heisst, wenn ich zurück bin, werde ich mir wohl sofort wieder ein GA zulegen und dann etwas in der Landschaft herum fahren mit der guten alten SBB.

Am meisten freue ich mich - und auch das tönt nach Klischee - natürlich aber darauf, alle Kollegen und die ganze Familie wieder zu sehen! Jetzt aber geniesse ich vorerst mal noch gute zwei Monate hier in Slowenien, das übrigens, wie ich im Gespräch erfahren habe, im Gegensatz zur Schweiz noch nicht mit Weihnachtsartikeln und Weihnachtsbeleuchtung und all dem unnötigen Zeug vollgestellt ist. Und gerade vorhin sassen wir wieder mal am Fluss an der Sonne und tranken einen Kava z mlekom (Milchkaffee) - so sollte der November immer sein!

Thursday, November 19, 2009

Small countries celebrate small victories


Gestern hat sich die slowenische Fussball-Nationalelf mit einem hart erkämpften und verdienten 1:0-Sieg gegen Russland für die Weltmeisterschaft in Südafrika qualifiziert! Für uns erfolgsverwöhnte Schweizer (ich meine direkte Qualifikation als Gruppenerster und dann natürlich noch der Weltmeistertitel mit dem U-17-Team) tönt das natürlich nach nichts besonderem. Allerdings geht es in diesem Blogeintrag auch weniger um den Fussball an sich, sondern mehr um das Drumherum!

Das Hinspiel hatten die Russen vor einigen Tagen 2:1 gewonnen. Ich hatte damals ein Teil des Spiels in einer Bar in der Innenstadt mitverfolgt. Zuerst meinte ich ja, dass die Slowenen das rote Team seien und war verwundert wie gut sie spielten. An den Reaktionen merkte ich dann aber mit der Zeit, dass wohl doch eher die Spieler im weissen Trikot die Slowenen sind. Alles in allem haben die Slowenen zwar auch in diesem Spiel gefightet, doch die Niederlage war absehbar.

Beim Rückspiel gestern, dass in Maribor ausgetragen wurde, musste daher für die WM-Quali also mindestens ein 1:0 oder, falls die Russen auch ein Tor erzielen würden, ein 3:1 her (ich hab mir das erklären lassen.. es kommt nicht nur auf die Anzahl Tore draufan sondern auch darauf, wo sie erzielt wurden). Aufgrund dieser doch spannenden Ausgangslage habe ich dem Vorschlag eines Kollegen zugestimmt, sich auch dieses Spiel in der Stadt anzusehen. Wir gingen in einen English Pub der - nicht gerade fantasievoll - den Namen 'English Pub' trug. Drinnen hatte es Bilder von allem an der Wand, dass so in der ersten Sekunde mit England assoziiert wird, also Stonehenge, Sherlock Holmes, einen Manchester United Fanschal usw. Auch dass also nicht sonderlich speziell. Nichtsdestotrotz, die Stimmung war bei unserer Ankunft bereits ausgelassen und die Flachbildfernseher liefen.

Kurz vor der Halbzeitpause viel das 1:0 und zwar durchaus verdient. Die Slowenen spielten viel besser und waren den Russen überlegen. Von da an war die Anspannung natürlich richtig gross und entsprechend brach beim Schlusspfiff in der 94. Minute entsprechender Jubel aus. Als wir nach draussen gingen kamen uns dann schon bald die ersten hupenden und fahnenschwingenden Autokorsos entgegen. Man bekam Getränke angeboten von wildfremden Leuten (ich bin zwar trotzdem immer noch nicht sonderlich ein Fan von Rotwein mit Cola..) und die Freudengesänge wurden von traditioneller (Balkan-)Musik auf Akkordeon und Blasinstrumenten begleitet. Alles in allem ein riesen Volksfest. Ich glaub in der Schweiz würde nicht mal ein Weltmeistertitel (des normalen Teams) so gefeiert. Super krass das ganze.. obiges Video soll einen Eindruck vermitteln :-)

Monday, November 16, 2009

Musikalisches Ljubljana


Wie viele wissen, hab ich mich schon mehrere Male beschwert, dass in Lju keine gute Konzerte stattfinden würden. Gleichzeitig wurden in der letzten Zeit auch Stimmen laut, die mich mahnend darauf hingewiesen haben, dass mein Blog nur mehr selten bis nie ein Update erfährt. Mit diesem Eintrag sollen diese beiden Behauptungen - keine guten Konzerte sowie keine neuen Posts - widerlegt werden!

Gute bis sehr gute Konzerte durfe ich in den letzen Wochen sogar drei miterleben. Das absolute Highlight war natürlich der Auftritt von Marc Ribot (im Volksmund auch 'Kolleg Märcu') mit seiner Band Ceramic Dog und Eszter Balint im Čankarjev Dom hier in Ljubljana. Ein guter Eindruck von diesem Konzert soll dabei obiges Video geben. Dieses wurde nur wenige Tage vor dem Konzert in Lju an einem andern Ort aufgezeichnet. Es handelt sich beim Video zwar um einen Song von Serge Gainsbourg und im Normalfall singt Kollege Märcu ja auch nicht auf Französisch.. die Art wie dieses Lied interpretiert wurde hat mir aber sehr gefallen. Die anderen Songs waren auch sehr eindrücklich, oft mit einer immensen Steigerung der Intensität im Verlauf eines Stücks. Die Band ist sehr gut eingespielt und die Spiel- und Experimentierfreude merkt man den Musikern an. Nach dem souveränen Auftritt gabs noch für das ganze Publikum Gratisbier, da es sich um das letzte Konzert des Ljubljana Jazz Festivals handelte und der Abend zog sich auf sehr amüsante Weise noch weit in die Nacht beziehungsweise fast in den Morgen hinein... (Fotos vom Konzert in Lju kann man übrigens hier und hier begutachten.)

Das zweite Konzert, dass ich vor kurzem besuchte war ein Doppelauftritt der 'Preservation Hall Jazz Band' (Jazz/Dixieland) und der 'Blind Boys of Alabama' (Gospel/Blues). Auch dieser Anlass fand im zentral gelegenen Čankarjev Dom statt (.. das scheint echt 'ne gute Adresse für super Konzerte zu sein!) und ich war von beiden Bands positiv überrascht. Auch wenn ich normalerweise nicht unbedingt viel Gospel oder Dixieland höre, ist es doch durchaus positiv, von Zeit zu Zeit auch seinen musikalischen Horizont zu erweitern!

Letztes Wochenende war ich dann wieder mal im legendären Metalkova - dem alternativen Quartier von Ljubljana wo viele Konzerte, Parties und sonst allerhand Kunstprojekte stattfinden (sei es zum Teil auch nur Überlebenskunst...). Kurz vor dem Eingang zum Metalkova drang ein vielversprechender Garage-Rock Sound in meine Ohren. Wir begaben uns also zum entsprechenden Haus, handelten den Eintritt von acht auf vier Euro herunter (da das Konzert der letzten Band schon begonnen hatte und zuvor schon zwei andere Bands gespielt hatten) und gingen rein. Drinnen trafen wir die Band 'Two Tears' in voller Action an. Die Musik war echt super, erinnerte an die White Stripes bloss etwas rebellischer (und z.T. mit ziemlich minimalistischen Texten). Leider ging das Publikum nicht sonderlich ab - dies tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch und ich hab sogar das Gefühl selbst noch einige 'Einheimische' etwas zum Mit-aus-sich-herausgehen animiert zu haben. Nach dem Auftritt hab ich mich dann auch noch kurz mit dem Drummer unterhalten, der glaub ich wie der Gittarist auch, aus München stammt. Die Sängerin ist so viel mir gesagt wurde von Britannien. Jedenfalls 'ne super Band wo ich allen empfehle mal reinzuhören.

Also, ihr seht, es gibt gute Konzerte in Lju (von jetzt will ich mich mit meiner diesbezüglichen Kritik zurückhalten) und auch zum Einträge schreiben bin ich noch fähig! Merci für Kommentare und Anregungen!

Thursday, October 22, 2009

Entdeckt: čajnicaGallus


Der Herbst ist da; bekanntlich nicht die wärmste Jahreszeit. Man überlegt es sich zwei mal, ob man wirklich seine schützenden vier Wände verlassen soll, welche gegenüber dem grauen Nass, dass man beim Blick aus dem Fenster vorfindet, eine gewisse Geborgenheit bieten.

Wie dadurch aber auch schon angedeutet, ist diese trübe Jahreszeit aber nicht nur negativ, denn sie wertet andere Dinge, wie den warmen Wohnraum, den man den Sommer hindurch nicht bewusst schätzt, entsprechend auf. Zu diesen anderen Dingen gehört auch das Tee trinken. Die mich kennen wissen, ich trinke immer und viel Tee, und ich liebe es! Wenn man sich aber einen Tee gönnt, wenn es draussen wie aus Kübeln giesst, bekommt das Teetrinken nochmals eine andere Qualität. An solchen Nachmittagen habe ich in Bern immer gerne den Länggass-Teeladen aufgesucht. Glücklicherweise bin ich nun auch hier in Lju auf ein sehr sympatisches Teehaus gestossen: Die Čajnica Gallus liegt direkt am Fluss in der Altstadt von Ljubliana. Falls es nicht gerade in Strömen regnet, ist es sehr entspannend draussen gut angezogen zu einer Tasse Tee die Leute, den Fluss und die Natur zu beobachten. Sehr empfehlenswert!

Noch ein Tipp für 'Daheimgebliebene', beziehungsweise für Leute, die sich bis spätestens am 28.02.2010 wieder in der Schweiz befinden (was mich dann auch wieder einschliesst): Wie ich dem Tagi entnommen habe, wird morgen im Landesmuseum in Zürich eine Fotoausstellung unter dem Titel "Aufbruch in die Gegenwart. Die Schweiz in Fotografien 1840-1960" eröffnet. Die Auswahl der Bilder, die man auf der Webseite sieht, ist sehr vielversprechend. Und auch der Artikel im Tagi ist überaus positiv. So ein Ausstellungsbesuch ist selbstsagend auch eine optimale Aktivität in dieser kalt-nassen Jahreszeit. (PS: Ich hoffe, mit diesem Tipp jetzt nicht in direkte Konkurrenz zu anderen 'Bloggern', denen vor kurzem 'Lifestyle-Schreiber'-Qualitäten attestiert wurden, zu treten..)

Tuesday, October 13, 2009

Aufgefallen: 1 Reber


Seit gestern ist's echt kalt hier. Glücklicherweise ist's immer noch meistens sonnig, was mich heute an meinem (noch) freien Dienstag (das ist der Tag, der auf den Party-Montag folgt, das ist hier so) dazu veranlasste, auf eine Fototour in die Stadt zu gehen. Diesmal war ich (zum zweiten mal nach vorgestern) mit der irgendwie schrägen analogen Nikon unterwegs, weshalb man die Bilder noch nicht begutachten kann. Ich kann nur sagen, ich bin ja seeehr gespannt wie die Bilder mit dieser Kamera rauskommen. Ich kann das überhaupt nicht einschätzen.

Jedenfalls hab ich mich auf meiner Tour auch auf den Reberweg begeben, den ich vor kurzem auf der Stadtkarte entdeckt habe. Das ist einer der drei Wege, die von der Altstadt hinauf zum Schloss führen. Und ja, die Gasse heisst wirklich 'Reber'. Also ich finde das ziemlich verwirrend, und fand im Internet bis jetzt keine Erklärung wieso dieser Weg so heisst. Verwirrend ist auch, dass eigentlich alle anderen Strassen in Lju noch die Bezeichnung für Strasse ('cesta' oder 'ulica') im Namen haben. Die Reberstrasse aber heisst einfach Reber. Die Hausnummern gehen entsprechend von 1 Reber über 11 Reber bis zu 15 Reber...

Sehr erstrebenswert wäre es natürlich in den Besitz des Reber-Strassenschildes zu kommen. Es ist grün und etwa 40 auf 15 cm gross. Dieses könnte ich bei meiner zukünftigen Wohnung als übergrosses Namensschild anbringen! Das hätte Stil. Dummerweise wird 'Reber' von recht vielen Leuten frequentiert, und das Schild ist auf über 2m Höhe gut mit 4 Schrauben an der Hauswand befestigt... falls das Schild mal plötzlich ohne meine Einwirkung in meinen Machtbereich gelangen sollte, versteht es sich von selbst, dass darauf eine Belohnung in Form mehrerer Laški ausgesetzt wäre.

Das gute an meinen Erkundungs- und Fototouren durch die Stadt ist übrigens auch, dass ich immer wieder super Geschäfte und schöne Orte entdecke, wo ich meinen Besuch aus der Schweiz werde hinführen können. Heute hab ich zum Beispiel einen tollen Schallplattenladen entdeckt. Und wenn jemand zu viel Geld hat weiss ich jetzt auch, in welcher Strasse man das gegen schöne Mode u.ä. eintauschen kann. Man darf sich freuen...

Saturday, October 10, 2009

Weekend Trip nach Triest und Udine


Es ist jetzt zwar schon eine Woche her, trotzdem soll hier noch kurz die Erinnerung an das letzte Wochenende, an unseren Trip nach Triest und Udine, wachgerufen werden!

Unterwegs waren wir - das heisst ich und mein Mitbewohner - auch dieses mal wieder mit dem guten alten W123. Ich würde zwar gerne mal wieder eine Zugreise unternehmen, doch aus dem Bahnland Schweiz ist man sich schon andere Zustände gewöhnt was das Reisen auf Schienen anbelangt. Ich meine, Triest ist knapp 90km von Lju entfernt, und der Zug braucht dafür fast 3 Stunden.. Mit dem Auto gehts da natürlich schon schneller!

Das tollste an diesem Weekend-Trip war, dass wir einen 'local guide' hatten. Eine Kollegin, die mit mir den Sprachkurs gemacht hatte und in Triest wohnt, wollte uns unbedingt ihre Stadt zeigen, und auch das Problem der 'accomodation' kam gar nicht auf, da wir im früheren Zimmer ihrer älteren Schwester übernachten konnten!

Wir wurden also von ihr, wie es sich gehört natürlich in einem Fiat 500, an der Grenze abgefangen und fuhren dann zu ihrem Haus, welches etwas ausserhalb von Triest liegt (wir befürchteten schon in einen Hinterhalt zu gelangen und bereiteten uns mental darauf vor.. dies war dann aber glücklicherweise nicht der Fall.)

Nach einem guten italienischen Espresso gings los auf die Sightseeing-Tour: Wir wanderten in der nähe des Castello Duino dem Rilke-Pfad entlang (der hat mal kurz dort gelebt), besuchten das aus habsburgischer Zeit stammende (und von Kaiserin Sissi besuchte) Castello Miramare und schauten uns natürlich auch in der Stadt selbst um.

Am Abend dann kam der Vorteil des 'local guide' noch besser zum Vorschein. Denn, wo geht man in den Ausgang in einer fremden Stadt, die zudem nicht allzu gross ist? Auch darüber mussten wir uns keine Gedanken machen, sondern zogen mit meiner Kollegin und ihren Freunden einfach das typische triester Ausgangsprogramm durch! Das heisst, wir brausten zuerst zu viert im Fiat 500 zu lauter 90ies Dance Musik durch die Stadt und gönnten uns ein Appéritiv im Café Walter.

Danach kam der absolute Höhepunkt des Weekends: Zum Nachtessen besuchten wir eine Osmizza. Etymologisch stammt dieser Begriff vom slowenischen Wort für acht, osem, und wird in Italien nur im Fraul (beziehungsweise der Region Friaul-Julisch Venetien - Geschichtsinteressierte sollten auf den Link klicken!), aufgrund der geografischen Nähe zu Slowenien, verwendet. (In Slowenien gibts das Wort auch, bloss mit 'c' anstatt 'zz'). Eine Osmizza ist eine Art Restaurant bei privaten Leuten, welches traditionellerweise nur an acht Tagen im Jahr, und zwar im Herbst, geöffnet hat. Gemäss meinen Nachforschungen war es in früheren Zeiten den Bauern jeweils an diesen acht Tagen nach der Weinlese (und dem Herstellen des feinen Prosciutto) erlaubt, diese Produkte in einer Art Festwirtschaft günstig abzugeben. (Der Brauch der Osmizza schein übrigens mit dem sogenannten 'echten' Heurigen im deutschsprachigen Raum, insbesondere in Österreich, verwandt zu sein.) Es gab also echt guten Rotwein und eine feine Fleischplatte und dazu Brot. Wir sassen draussen an langen Tischen und einige sangen italienische Volkslieder und begleiteten diese auch auf der Gitarre. Die Stimmung war einfach super, so richtig dolce vita.

Weiter ging der Abend, beziehungsweise die Nacht, noch in einem anderen Restaurant, welches ein Oktoberfestzelt aufgestellt hatte... auch entdeckt dort hab ich übrigens den sehr empfehlenswerten Grappa di Vino Terrano. Nach einer langen Nacht, wo ich aufgrund der Fremdsprachenunkenntnis der Italiener in allen mir auch nur minim bekannten Sprachen zu sprechen versucht habe, gingen wir spät zu Bett.

Gegen Mittag des nächsten Tages gings dann weiter nach Udine, der grössten Stadt der Region. Hier haben wir vor allem den sonnigen Tag genossen, und uns dann auf den Rückweg nach Ljubljana gemacht, der uns durch die Ausläufer der Alpen (mit entsprechendem Potential zum sich-verfahren) führte.

Tuesday, October 06, 2009

Aufgefallen: Anstehen...


Bitte schaut euch das Bild genau an (wenn man draufklickt wirds gross in einem neuen Fenster geöffnet). Offensichtlich ist eine ziemlich lange Schlange zu erkennen, die sich ausserhalb des Bildes noch fortsetzt. Das Ziel all dieser Leute ist das Büro der Busgesellschaft von Ljubljana, der LPP. Die LPP ist übrigens auch auf Facebook vertreten, wo sie eine Gemeinschaft von ganzen 0 (in Worten: Null) Fans hinter sich gescharrt hat. Auch zu sehen auf der Facebook-Page sind die Busse, die alten sind übrigens voll lustig zum mitfahren!

Zurück zur Frage, die sich natürlich aufdrängt, wenn man das Foto betrachtet: Wieso stehen all diese Leute vor dem Büro der Busgesellschaft an? Sind die Ljubljaner die absoluten ÖV-Fanatiker? Wurde das Autofahren in Ljubljana verboten? Weder das eine noch das andere trifft zu. Jedoch wurde dieses Bild am 5. (also gestern) aufgenommen. Und jeweils vom 1. bis am 5. des jeweiligen Monats können alle Schüler und Studenten für 17 Euro ihre Busmonatskarte für einen Monat verlängern. Wie ihr euch denken könnt, war das auch mein Plan...

Zuerst konnte ich es kaum fassen, dass die Schlange tatsächlich so lang war. Es schien irgendwie unwirklich, irgendwie lustig und irgendwie sozialistisch... Ich hab mich dann mal zum Ende der Schlange begeben und die Leute dort gefragt wie lange sie denken, dass man etwa anzustehen hat. Sie meinten eine bis zwei Stunden... ich reihte mich ein.

Was macht man während man so lange ansteht? Zuerst, irgendwie klar, mal ne Zigarette rauchen. Danach kam mir in den Sinn, dass ich glücklicherweise mein iPhone dabei hatte - ein echter Lebensretter! Ich hab dann das neue Album von Shantel, Planet Paprika, durchgehört und alle Songs bewertet (!) (das frühere Album war übrigens besser, aber schlecht ist's nicht, und es hat mich amüsiert während dem anstehen). Danach hörte ich mir noch etwa die Hälfte von Superwolf an, einer recht tollen Scheibe von Bonnie 'Prince' Billy mit Matt Sweeney.

So ging die Zeit - am Ende warens ziemlich genau 1.5 Stunden - recht schnell herum. Ich glaube, solche Dinge gehören wie zu einer Art von Aufnahmeritual, die man durchlebt, wenn man sich im Ausland in einer neuen Stadt niederlässt. Das nächste Mal werde ich aber versuchen, am 1. und nicht erst am 5. des Monats meine Busfahrkarte zu erneuern!

Friday, October 02, 2009

Govorim slovensko (mehr oder weniger)


Morgen, beziehungsweise heute, hab ich den ersten Kurs an der Uni, um 8 Uhr früh.. Leider ist ebenfalls morgen der Slowenisch-Test.. ich habe in den letzten ca. vier Stunden versucht, Versämnisse der letzten Wochen was das Lernen angeht wettzumachen. (Hier muss angefügt werden, dass ich zwar jeweils nicht sonderlich viel gelernt habe, aber trotzdem meistens zu den drei Leuten gehörte, die am besten vorbereitet waren.. böse Zungen behaupten, dies läge daran, dass meine Gruppe vor allem aus Italienern und Spaniern bestand).

Danach sollte es ein lustiges Weekend werden. Mein Mitbewohner und ich fahren nach Triest (auf Slowenisch heisst das übrigens 'Trst' - man merke: vier Konsonanten nacheinander!) und besuchen eine Kollegin, die von dort kommt und jetzt auch hier in Lju studiert, jedoch meistens übers Weekend nach Hause fährt. Danach gehts dann mit der Uni nächste Woche so richtig los (und das ist gut so)!

Wednesday, September 23, 2009

Kochen: Pasta an Eierschwamm-Rahm-Sauce


Heute hab ich das erste mal seit ich in Ljubljana bin richtig gekocht. Ich meine nicht bloss Pizza oder Teigwaren mit Fertigsauce. Ich meine richtig gekocht. Da ich vor einigen Tagen auf dem Gemüsemarkt Stände mit frischen Eierschwämmen (auch Pfifferlinge genannt) entdeckt habe, nahm ich mir vor, etwas damit zu kochen. Es sollte am Schluss eine feine Pastasauce werden. Sie basiert auf einem Rezept einer Steinpilzsauce für Pasta, die ich im Internet gefunden habe.

Gegen Mittag ging ich also auf den Markt. Den Gemüsemarkt empfehle ich übrigens jedem Besucher von Ljubljana. Auch wenn man nichts kauft, ist er schön anzusehen. Ich habe jedoch eingekauft: Eine Schale Eierschwämme für Euro 2.50, ein Salat für 30 Cent sowie zwei Pepperoni für 20 Cent(!).

Danach gings also ans Zubereiten. Die Eierschwämme wurden gewaschen und zerkleinert.





Eine Zwiebel und zwei Knoblauchzehen wurden zerhackt, und in Olivenöl glasig angedünstet.





Danach wurden die Eierschwämme in die Bratpfanne gegeben und kurz angebraten.





Die Pasta wurde angesetzt und die Sauce mit Weissweis abgelöscht.






Am Ende wurde Rahm zugefügt und die Sauce wurde mit Salz, Pfeffer und einem halben Würfel Gemüsebouillon gewürzt.




Fertig und angerichtet! Die Sauce gelang mir echt gut. Ich weiss, das tönt nach Selbstlob.. aber ich war echt selbst überrascht, da ich vorher noch nie was mit Eierschwämmen gekocht hatte. Aufgrund dieses Erfolgs werde ich das Rezept auch für Gäste (und natürlich für meinen Besuch aus der Schweiz) kochen können!

Tuesday, September 22, 2009

Aufgefallen: 1 Euro


Letzten Freitag hatten wir eine Stadtführung. War toll etwas mehr über die Geschichte und die Architektur in Ljubljana sowie auch die Geschichte Sloveniens zu erfahren. Auf dieser Tour habe ich zudem einen Euro gefunden. Nicht einen normalen Euro, nein, sondern einer aus Stein, mit einem Durchmesser von gut 30cm und einer Dicke von etwa 7cm. Nur gut, muss man den nicht in der Brieftasche mit sich herumtragen.

Monday, September 21, 2009

Ein Tag mit vielen Wendungen

Heute morgen habe ich - einige Sekunden nach dem aufwachen - mit meiner Mitbewohnerin versehentlich Berndeutsch gesprochen. Und ich habs erst etwa fünf Minuten später bemerkt, als sie schon weg war.

Danach gings 'on the road', jedoch zu Fuss. Genauer mit meinen neuen Rennschuhen, die ich mir am Samstag gekauft habe. Hat mal wieder gut getan! Allerdings habe ich mich ein bisschen 'verrannt' und dann wurdens an die 10km.. etwas viel nach etwa zweimonatiger Pause.

Aufenthaltsbewilligung. Einer wenigen noch nicht abgehackten Punkte auf meiner 'Was ich machen muss nachdem ich in Ljubljana ankomme'-Liste. Mit der Restenergie nach dem Laufen wollte ich mich also darum kümmern. Der Plan sah vor, zuerst das zu erledigen, dann essen zu gehen und dann in den Sprachkurs zu gehen. Naja. Ich hab dann verdammt lange gewartet (EU-Bürger müssen übrigens nicht warten). Und dann wurde ich noch geschickt Kopien von Dokumenten zu machen, als hätten die dort keinen Kopierapparat. Jedenfalls bin ich jetzt im Besitz eines Papiers wo auf slowenisch sowas draufsteht wie: "Ich sollte die Aufenthaltsbewilligung später mal erhalten." Ich glaub per Post. Jedenfalls reichte es nicht mehr zum Essen und ich war zu spät im Sprachkurs. Glücklicherweise kann man sich im selben Gebäude wo der Kurs ist auch ein Sandwich kaufen.

Und jetzt? Naja, klar, heute ist wieder Party-Montag. Tönt zwar seltsam aber ist so! Man trifft sich im Parliament Pub. Und die ganze Slovenska cesta (eine der wichtigsten Strassen im Zentrum) ist heute gesperrt, da das slownenische Basketball-Team gefeiert wird.*

*(Was Basketball betrifft, bin ich jedoch hauptsächlich froh, dass die EM vorüber ist. Ich glaub in der Schweiz schaut das kein Mensch. Hier ist das anders. Slowenien ist supergut. Sie sind dann aber vor dem Final ausgeschieden. Gegen Serbien. Serbien ist dann im Final Spanien unterlegen. Soweit sogut, die Zusammenfassung für Nicht-Interessierte.)

Thursday, September 17, 2009

Aufgefallen: LJ THINK


LJ Think! Dies würde manchmal nicht schaden. Zum Beispiel heute hatten wir eine Informationsveranstaltung, nach der noch mehr unklar war als wie zuvor. Bezüglich der Kurse an der Uni stellen sich noch viele Fragen und die Leute, die in den Studentenwohnheimen wohnen, sind momentan sowieso etwas perplex, da sie scheinbar alle umziehen müssen. Jedenfalls wars dann lustig, nach der Infoveranstaltung - noch ziemlich in Gedanken versunken - dieses Auto draussen auf dem Parkplatz vorzufinden.

Ich persönlich bin mir nicht so sicher, ob ich das Nummernschild cool finden soll oder nicht. Und, wieso legt man sich ein spezielles Nummernschild zu und montiert es dann an einen Kia? Naja.. Da das Auto auf dem Parkplatz vor einem Unigebäude geparkt war gehört es eventuell einem Professor oder so, das macht es dann auch schon wieder eher uncool.

Jedenfalls, nach diesem Tag voller Nachdenken (nicht zuletzt im Sprachkurs, wo wir uns mit den sechs Fällen sowie den Plural-, Singular- und DUALENDUNGEN herumschlagen), gehts jetzt mal wieder in den Ausgang. Was man so hört treffen sich alle (das müssen sehr viele sein, wirklich viele) Erasmusstudenten (und Studentinnen natürlich) in der Companieros Bar. Ob da viel nachgedacht wurde, als der Event organisiert wurde? (Ich meine, so gross kann eine BAR gar nicht sein?!). Item, jedenfalls wirds bestimmt lustig! Na svidanje!

Tuesday, September 15, 2009

Weekend Trip


Die Zeit geht wie im Flug vorüber. Schon wieder Dienstag Abend und eben erst lag ich noch am Strand der kroatischen Adriaküste, aber nun schön der Reihe nach.

Wir - das heisst meine beiden Mitbewohner und ich - haben uns während der letzten Woche entschlossen, am Wochenende einen Ausflug nach Kroatien - genauer nach Istrien - zu unternehmen. Am Samstag Morgen gings los, aufstehen um 6.30 Uhr (so früh bin ich schon lange nicht mehr aufgestanden..) Im alten sehr stylischen Mercedes W123 von meinem Mitbewohner sind wir losgerollt, Richtung Süden. In Lju ist je noch eine Kollegin von mir und von meiner Mitbewohnerin zugestiegen.

Die erste Station hiess Koper an der slowenischen Adriaküste. Hier wird die ganze internationale Seefracht von und nach Slowenien umgeschlagen. Die Stadt selbst ist okay für einen Kurzbesuch, speziell jedoch nicht. Deshalb sind wir dann schon bald nach Piran weitergefahren. Dies ist die zweite slowenische Stadt mit Meeresanstoss - unter politikinteressierten vor allem bekannt wegen dem anhaltenden Grenzstreit mit Kroatien, der im Zuge der des Beitrittsprozesses von Kroatien in die EU eine neue Dimension erhalten hat.

(Ganz kurz um was es geht: Bekanntlich gehört jeweils ein bestimmter Meeresstreiffen an der Küste zum Hoheitsgebiet des jeweiligen Landes, weiter draussen sind dann internationale Gewässer. Da Slowenien (wie auf der Karte oben ersichtlich) nur über einen kleinen Zugang zum Meer in der nordöstlichen Ecke der Adria verfügt, schneiden sich die Hoheitsgebiete Italiens und Kroatiens, bevor das slowenische Hoheitsgebiet die internationalen Gewässer erreicht. Nach slowenischer Auslegung sollte aber die Grenze so gezogen werden, dass auch für Slowenien ein Korridor zu internationalen Gewässern besteht, damit die Frachter, welche slowenisches Land - sprich Koper - anlaufen wollen, nicht zuerst die Hoheitsgebiete eines anderen Landes durchqueren müssen. Da nun Slowenien bereits EU-Mitglied ist, hat es wie jedes andere EU-Land ein Vetorecht bezüglich dem Beitritt neuer Mitgliedsstaaten und blockiert deshalb momentan des Aufnahmeverfahren für Kroatien. Falls sich in dieser Sache eine Lösung abzeichnet werde ich dies hier mitteilen..)

Für mich war es sehr spannend sich die Bucht von Piran mit dem Hintergrund dieser diplomatischen Querelen um den Grenzverlauf selbst 'live' anzusehen. Man sieht von Piran aus bei gutem Wetter auch nach Italien und Kroatien rüber - und kann sich etwa vorstellen wie die Grenzen im Meer gezogen sind, damit es für Slowenien eben nicht aufgeht.

Nachdem wir uns Piran angesehen haben - ebenfalls eine ansehnliche Stadt aber nach einem Besuch muss man nicht unbedingt wieder kommen - sind wir nach Kroatien weitergefahren. Leider waren wir aufgrund von Visaproblemen von da an nur noch zu dritt, doch dass wir auch so gefahren sind hat sich wirklich sehr gelohnt! Die erste Station war Porec, eine sehr schöne Stadt am Meer. Das Wetter war viel besser als in Slowenien und es war dort schon mindestens 5 Grad wärmer. Auch die Landschaft hat unglaublich schnell gewechselt: Während man in Slowenien manchmal auch meinen könnte in Österreich oder sogar der Schweiz zu sein, war das Klima in Koratien sofort viel maritimer und die Vegetation weniger üppig und grün.

Noch am selben Tag gings weiter nach Rovinj, mein persönliches Highlight dieser Reise. Die Alstadt liegt auf einer Landzunge, die ins Meer hinaus läuft. Die Athmospäre ist relaxt und die Architektur der Stadt sehr malerisch. Das Essen in einem der vielen Fischrestaurants an der Küste war super und obwohl sich die Preise in der kroatischen Währung 'Kuna' nach viel anhören, war es natürlich sehr preiswert. Zum Übernachten haben wir über eine kleine Agentur ein Zimmer in der sehr zentral gelegenen Wohnung einer älteren Frau gefunden, für welches wir zu dritt um die 60 Euro für die Nacht bezahlt haben. Diese Art 'Privathotel' scheint übrigens in Kroatien sehr verbeitet zu sein und ich kann dies nur empfehlen! Nach dem Essen haben wir eine gemütliche Bar in der Altstadt gefunden, wo wir den Abend mit kroatischem Grappa (ich hab mir an einem Stand am Strassenrand eine kleine Flasche gekauft - ist echt lecker) und kroatischem (und belgischem - Stella Artois!) Bier ausklingen liessen.

Pula war unser Ziel am nächsten Tag. Die Stadt ist schon wegen dem römischen Amphitheater aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. einen Besuch wert! Am Nachmittag - die kroatische Herbstsonne gab ihr Bestes - gönnten wir uns noch einige ruhige Stunden am Strand und im Meer. (Obwohl ich in diesem Jahr das Meer zuvor schon zwei mal gesehen hatte - im Frühling in der Toskana und im Sommer im Libanon - war dies nun Mitte September unerwarteterweise meine erste Abkühlung im salzigen Nass).

Den Heimweg traten wir gegen Abend an. Die ganze Tour war gut 500 km lang - zwar etwas viel für zwei Tage, aber wenn man nur ein Weekend Zeit hat ist das die einzige Möglichkeit Istrien wirklich zu erkunden. Kroatien - wo ich zum ersten Mal war - hat mir super gefallen. Während der nächsten Monate hier werd ich sicher ein paar weitere Kunas investieren und nochmal runterfahren!

PS: Fotos zum Trip finden sich auf Flickr.

Saturday, September 12, 2009

Vorstellungsrunde: Food-Coupons


Unterdessen lebe ich mich so richtig gut ein hier in 'Lju'. Man lernt die coolen Bars kennen, weiss wo man am besten einkaufen geht, findet die Orte wo man hin will ohne sich zuerst eine halbe Stunde zu verlaufen und gewöhnt sich auch ans städtische Bussystem (das hier etwas speziell funktionniert - dazu später mal mehr).

Da Ljubljana total eine Studentenstadt ist, scheint man als Angehöriger dieser doch speziellen Gruppe sogar ein paar Privilegien zu geniessen, zum Beispiel wenns ums Essen geht. In Lju gibt es keine Mensen (das ist glaub ich die Mehrzahl von 'Mensa') und ich denke, wenn es solche gäbe, würde ich wohl nicht hingehen, da ich mir irgendwie nicht vorstellen kann, dass die wirklich gut wären (das hat überhaupt nichts mit Slowenien zu tun, ich hab nur in meinem Leben bis anhin noch nie eine wirklich gute Mensa gefunden). Ausgehend von dieser Situation müssen sich die Leute der Uni (der Stadt?, der Regierung?) gedacht haben: machen wir das Beste draus! Und das Beste in dieser Situation ist definitiv das System der berühmt-berüchtigten Food-Coupons!

Wie läuft das mit den Food-Coupons? Nun, zuerst hat man eine der vier Büros der Studentenorganisation aufzusuchen, welche über die Stadt verteilt sind. Danach stellt man sich in eine Reihe, die zuweilen ziemlich lang sein kann. Während dem Warten begutachtet man dann (vor allem als Neuling) mal eine Liste von etwa 200 Restaurants, welche alle diese Food-Coupons als Bezahlungsmittel akzeptieren. Ein Food-Coupon kostet meistens zwischen zwei und vier Euro und - so wird einem gesagt - man kriegt damit ein vollwertiges Mahl.

So weit so gut, doch für welches der 200 Restaurants soll man sich entscheiden? Zwar steht jeweils die Adresse neben dem Namen des Restaurants geschrieben. Doch, nach einer Woche alle Strassennamen zu kennen, ist etwas viel verlangt. Dieses Problem diskutiere ich während dem Anstehen mit einem anderen Erasmusstudenten aus Deutschland, der zuvor ebenfalls etwas unglaubwürdig die lange Liste der Restaurants betrachtet hat. Wir entscheiden uns, die Auswahl gutgläubig dem Typen hinter dem Verkaufsschalter zu überlassen. Danach sind wir an der Reihe: "Wie viele Coupons wollt ihr?" - "Keine Ahnung, ich nehm mal zehn.." (zur Erklärung: man darf höchstens für jeden Arbeitstag einen Coupon kaufen, das wären dann so um die 20 pro Monat). Nachdem wir dem Verkaufstypen erklärt haben, dass wir überhaupt keine Ahnung haben und er für uns die Auswahl treffen soll werden wir gefragt was für Essen wir den mögen. Italienisch? Asiatisch? Fast Food? .. Wir entscheiden uns für die 'von allem ein Bisschen' - Version. Die Coupons werden ausgedruckt. Für 10 Coupons bezahl ich nicht mal 30 Euro.

Ich vertraue der Sache noch immer nicht so und mach darum heute die Probe aufs Exempel. Nachdem ich (endlich) meine Studentenkarte hab abholen können will ich also mal den Food-Coupon gegen Essen eintauschen. Ich hohl die Coupons hervor, check die Adressen, und hab natürlich keine Ahnung wo die Restaurants sind. Glücklicherweise kenn' ich schon die Orte mehrerer ungeschützer Wireless-Spots in Ljubljana (davon gibts viele - Smartphone-User sind dankbar!). Google Maps wird geckeckt und danach geht los. Unter dem Restaurant-Namen 'Da Bu Da' kann ich mir zwar nicht wirklich etwas vorstellen, aber es scheint ziemlich in der Nähe zu sein..

Das Restaurants macht einen supermodernen Eindruck.. sieht sogar recht teuer aus. Kein Problem, ich hab ja den Food-Coupon. Die Küche ist übrigens Vietnamesisch (!) Nach dem Vorweisen des Coupons kann ich aus etwa je fünf Tages- und Wochenmenus auswählen. Ich entscheide mich für Nudeln mit Rindfleisch. Davor gibts eine Gemüsesuppe und Salat vom Buffet. Das Essen ist exzellent und mehr als ausreichend. Dazu trinke ich einen sehr erfrischenden türkischen Ice-Tea. Das ganze Essen ist im Coupon inbegriffen - ich bezahle also irgendwie vier Euro dafür. Bloss das Getränk ist seperat; 1.30 Euro. Ich würde sagen, dem- oder derjenigen, der/die die Idee zu diesen Food-Coupons hatte, sollten der Nobelpreis und ein Oscar und noch ein paar andere Preise verliehen werden!

(Dieser Post hat mehr Zeit beansprucht als ich dachte. Aber die Food-Coupons haben echt soviel Platz in meinem Blog verdient. In fünf Stunden heissts aufstehen und dann gehts auf einen Weekendtrip zuerst nach Piran an der slowenischen Adriaküste und dann runter nach Kroatien! Davon dürfte dann der nächste Eintrag handeln..)

Sunday, September 06, 2009

Poljanska cesta 44

Nun ist es soweit und wir haben eine Wohnung gefunden! Ich teile mir die Wohnung mit einer Studentin aus Bolivien und einem Deutschen, der sein Jus-Studium abgeschlossen hat und hier für drei Monate arbeitet. Die Wohnung ist wirklich super. Ich meine, während der letzten Woche haben wir viele Wohnungen besichtigt, die diesen Namen kaum verdienen, da sie nicht wirklich wohnlich sind. Hier jedoch ist es superschön: Das Haus wurde erst 2007 erbaut und ist entsprechend modern. Auch die Möbel sind neuwertig und machen sich gut.

Gestern haben wir mal das Nötigste eingekauft. Da man aber nicht an alles denkt, haben wir eine Liste mit Dingen angefangen, die wir noch kaufen müssen. Zurzeit haben unsere Bettdecken noch keine Bezüge, das Teewasser machen wir in der Mikrowelle (das geht auch, wusste ich gar nicht..) und dass ich meinen Darjeeling mal ohne Zucker trinken muss ist auch nicht schlimm.

Von der Wohnung ins Zentrum sind es knappe 15 Minuten zu Fuss. Gleich um die Ecke haben wir zwei Supermärkte, einen Hofer (das ist eigentlich ein Aldi - die verkaufen nächste Woche akustische Gitarren für 49.95 Euro das Stück) und einen Mercador, der weitverbreitetste Supermarkt in Slowenien. Um an die Uni zu gelangen werde ich den Bus nehmen; morgen schau ich mal wo der entsprechende Bus genau fährt.

Zusammengefasst ist heute so ein richtig guter Tag zum relaxen, bevor dann morgen mein Sprachkurs (jawohl, Slowenisch) beginnt. Fotos der Wohnung und der Umgebung folgen bald!

Wednesday, September 02, 2009

Wohnung in Ljulbjana? Schwiieerig..

Ist es schwierig, ne Wohnung zu finden hier? Ja ist es, wirklich!

Alles andere ist super. Man lernt verdammt schnell verdammt viele Leute kennen. Die Stadt ist superschön, der Fluss, die Restaurants, die alten Gebäude, die Leute, das Bier...

Leider können wir uns nur nicht richtig darauf konzentrieren. Der Tagesablauf sieht momentan so aus, dass wir gegen Mittag ins Housing Office gehen, ca. 1.5 Stunden nach Wohnungen suchen und auch sonst die ganze Zeit das Internet nach weiteren Möglichkeiten durchforsten, dann etwa fünf Stunden durch die ganze Stadt laufen und die Wohnungen besichtigen.. Die Probleme, die dann auftauchen sind mannigfaltig: Oft gibt es nur Doppelzimmer, manche wollen nicht nur für 1/2 Jahr vermieten, manche wollen keine Ausländer, manche sind einfach sonst schrecklich usw. usw.

Immerhin haben wir jetzt zwei Optionen, die eventuell klappen könnten. Morgen wissen wir mehr..

Sunday, August 30, 2009

Tuesday, August 25, 2009

Notizen aus Beirut

23.07.2009
Erste Impressionen (Beirut - Stadt der Gegensätze)

Ein Frachtschiff fährt vorbei auf dem offenen Meer. Man raucht Wasserpfeife, gelb-blaue Sonnenschirme.

Durch den mörderischen Verkehr vorbei am Mahnmal mörderischer Konflikte: "At this place Rafik Hariri was assastinated." Ruine, schwarze zerfallene Fassade.

American University. Junge Menschen, westlich gekleidet. Sonnenbrille im Haar. Eine kurze Verpflegung. Diskussionen. Man spricht Englisch.

Bourj Hammoud. Enge Gassen, Hupen, Smog und Hitze. Die Armenier kamen nach dem Völkermord. Das Provisorium wurde zur Heimat, zumindest fast.


23.07.2009 II
"Ficken, Saufen, Nicht zur Arbeit gehen"

Zwei Fischer sitzen auf einem steinernen Sockel, welcher etwa fünf Meter vom Ufer entfernt aus dem Meer ragt. Der Sockel ist erhöht durch ein eisernes Fass, das aufgrund des Meersalzes schon deutliche Korrosionsspuren aufweist. Am Fass hat jeder der Fischer einen Eimer befestigt, worin die gefangenen Fische ihre letzten Minuten verbringen. "Ficken, Saufen, Nicht zur Arbeit gehen." Das die Aufschrift auf dem T-shirt des einen Fischers. Ob er's versteht? Wohl eher nicht.



23.07.2009 III
"Everybody should believe in something. I believe I'll have another drink."

Hard Rock Café Beirut, eröffnet im April dieses Jahres. Man spricht Englisch, auch hier. Zum Teil wechselt man ab. Englarabisch, Arabenglisch. Raumtemperatur geschätzte 20 Grad Celsius. Etwa die Hälfte der Aussentemperatur. Es laufen Rockvideos.

Bedienung: "Hey, how are you?"
Ich: "I'm fine, thanks. I'll have an Ice Tea please."
B: "Ice Tea Peach, Mango, Lemon?"
I: "Lemo
n please. Do you sell cigarettes?"
B: "Yeah, we have Marlboro red and Marlboro lights."
I: "Marlboro lights please."
- One minute later
B: "Sorry, you said Marlboro red or lights?"
I: "LIGHTS."
- One minute later. Ice Tea is served with A LOT of ice.
B: "Sorry, we don't have any Marlboro lights" smiles... "You take reds?"
I: "Haha... yeah, I take reds."

Die Zigaretten werden gebracht. Made in Switzerland (!) Rauchen ist hier noch nicht tödlich. Zumindest weisst auf dem Päckchen nichts darauf hin. Entsprechend stehen auch drinnen Aschenbecher auf dem Tisch.

Der erste Glimmstengel wird entflammt. Schluck aus dem Ice Tea Glas. Aaahh..


24.07.2009
Hotel Saint George Yacht Club & Marina

Eintritt 20'000 Libanesische Pfund, Pool - mit Salzwasser - und geschätzter Wassertemperatur von nahezu 30 Grad Celsius. Arabisch, Englisch, Französisch, Italienisch. Einsamer Militärposten bei den Jachten. Neue Wolkenkratzer neben alten Kriegsruinen. Beirut im Aufbruch, zumindest hier. Daneben hört's auch schon wieder auf; ein grosses Transparent sagt: "STOP SOLIDÈRE. Doch da im Jachtclub ist Europa, bloss etwas wärmer.


24.07.2009 II
Two DOUBLE espressos in separate cups (and cigarettes)

Man sitzt auf dem Balkon der alten Nachbarin. Diskussionen über die Schweiz.
"Vous prenez un café?" - "Oui, bien sûr!"
Sie verschwindet in der Küche. Nach einigen Minuten dringt der liebliche Kaffeeduft nach draussen und nochmals einige Minuten später kommt ein ganzes Tablett voller doppelter Espressi dahergeflogen. Es sind offensichtlich mehr Tässchen als anwesende Leute.

Die Diskussion weitet sich über mehrere Balkone aus. Schräg darüber und darunter und auf die andere Seite der etwa drei Meter breiten Häuserschlucht. Hier ist es schattig und es weht ein angenehm kühler Wind. Wie es denn sei in der Schweiz, das Leben, wird gefragt. Man weiss nicht viel, nur dass es sehr schön ist, und sicher...

"Kann man wirklich die Sprachgrenze einfach so überqueren? Gibt es keine Grenzposten oder Kontrollen?"
"Ja", antworte ich, "man kann."

Man kann.



Der Take-Off

War das jetzt wirklich nötig? Brauche ich einen Blog? Will ich wirklich einen Blog schreiben? Gibt man nicht sowieso schon viel zu viel von sich preis im Web 2.0?

Naja, vielleicht schon. Und unbedingt brauchen tue ich ihn nicht. Und ob ich tatsächlich regelmässig was schreiben werde wird sich mit der Zeit weisen. Trotzdem gibt es verschiedene Dinge, die dafür sprechen. Ich glaube, wenn ich nicht in einer Woche die Schweiz ostwärts verlassen würde um in Ljubljana mein Erasmus-Semester zu verbringen, würd ichs lassen. So aber kann ich den Daheimgebliebenen (und den sich sonst wo auf der Welt herumtreibenden) mitteilen wies so läuft, kann meine Impressionen schildern und Erlebnisse erzählen. So trägt ein (guter) Blog sicher auch dazu bei, eine gewisse Verbindung mit Freunden aufrechtzuerhalten. Die Anforderung daran wäre damit auch gerade definiert.

Was aber werde ich tatsächlich schreiben (oder posten.. bloggen). Auch das ist im vornherein schwierig abzuschätzen. Deshalb, lasst euch überraschen und schaut ab und zu rein! Und Kommentare sind sehr willkommen.